Ein Blick hinter die Kulissen mit Felix Köhler

Seit fast drei Jahrzehnten ist Felix Köhler ein fester Bestandteil des SV Grün-Weiß Bergfelde. Kaum jemand kennt den Verein so gut wie er. Als Spieler durchlief er die gesamte Jugendabteilung, spielte jahrelang im Herrenbereich und war zwölf Jahre lang als Trainer der ersten Männermannschaft tätig, erst als Co-Trainer, später als Chefcoach. Seit 2019 lenkt er als Sportlicher Leiter die sportlichen Geschicke des Herrenbereichs.
Im Interview gibt er spannende Einblicke in seine Arbeit, die Herausforderungen und die Zukunftsvisionen des Vereins.
Die Aufgaben als Sportlicher Leiter: Weit mehr als nur Kaderplanung
Felix Köhler hat eine Menge Verantwortung auf seinen Schultern. Als Sportlicher Leiter verantwortet er den gesamten Herrenbereich und arbeitet dabei eng mit den Trainern der ersten und zweiten Männermannschaft sowie der Ü35 zusammen. Besonders wertvoll ist dabei die Unterstützung von Florian Gerigk im administrativen Bereich. Doch sein Aufgabenbereich umfasst weit mehr als nur die Kaderzusammenstellung.
„Ich plane nicht nur den Kader, sondern auch die Saisonvorbereitung. Ab April geht es los mit der Planung für die neue Spielzeit. Dazu gehören Gespräche mit Spielern, Überlegungen zu Neuzugängen und aktuell auch die Trainersuche für die zweite Männer. Da haben wir aber schon erste Vorstellungen.“
Neben der Organisation und strategischen Planung liebt er vor allem den persönlichen Austausch mit den Spielern. Durch seine hohe Präsenz beim Training und den Spielen kennt er die Mannschaften und deren Bedürfnisse genau.
Herausforderungen: Zwischen Pandemie, Strukturwandel und Schicksalsschlägen
Eine der größten Herausforderungen in seiner bisherigen Amtszeit war zweifellos die Corona-Pandemie.
„Die Zeit war für uns alle schwierig. Plötzlich musste man klären: Dürfen wir trainieren? Wie gestalten wir das? Welche Vorgaben gibt es von der Stadt und vom Fußballkreis? Es ging darum, alle Spieler abzuholen und bei der Stange zu halten. Aber ich muss sagen, das haben wir als Verein gemeinsam richtig gut hinbekommen.“
Doch auch abseits der Pandemie standen und stehen immer wieder große Herausforderungen an. Besonders die zweite Männermannschaft kämpft damit, eine stabile Basis zu finden.
„Unser Ziel ist es, die zweite Männer so aufzustellen, dass sie langfristig konkurrenzfähig ist. Wir haben eine gute Basis und Steve Fekete macht als Trainer einen tollen Job. Doch es ist wichtig, die Jungs zusammenzuhalten und eine Struktur zu schaffen, die ihnen sportliche Perspektiven gibt.“
Eine der wohl schwersten Zeiten für den Verein war jedoch der plötzliche Verlust von Martin. Ein Schicksalsschlag, der alle tief getroffen hat – und gleichzeitig gezeigt hat, wie stark die Gemeinschaft im Verein ist. „Natürlich war das eine riesige Herausforderung für uns alle, aber die Art und Weise, wie der Verein in dieser schweren Zeit zusammengehalten hat, war beeindruckend. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, das Thema mit Respekt und Würde zu behandeln.“
Zusammenarbeit mit Trainern und Vorstand: Ein starkes Team
Ein Schlüssel zum Erfolg ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb des Vereins. Köhler arbeitet intensiv mit den Trainern zusammen, sei es im direkten Austausch oder über diverse WhatsApp-Gruppen. Dabei geht es nicht darum, in Entscheidungen einzugreifen, sondern vielmehr darum, informiert zu sein und das Gesamtbild im Blick zu behalten.
Auch die Zusammenarbeit mit dem Vereinsvorstand läuft reibungslos.
„Christian Grimm und Knut Zech, unser erster und zweiter Vorsitzender, lassen mich komplett eigenständig arbeiten und setzen mich nicht unter Druck. Sie vertrauen mir – und das Vertrauen ist gegenseitig. Wir haben einen tollen Vorstand, und das schätze ich sehr.“
Die sportlichen Ziele: Schritt für Schritt voran
Der SV Grün-Weiß Bergfelde verfolgt keine utopischen Ziele. Man weiß, woher man kommt, und setzt sich realistische Vorgaben.
„Die erste Männermannschaft spielt eine tolle Saison, aber in den letzten Jahren haben wir oft gegen den Abstieg gespielt oder waren graues Mittelmaß. Wir sehen die Kreisoberliga als unsere Champions League. Wir zahlen keinen Spielern Geld, deswegen wäre es auch unsinnig, einen Aufstieg zu fordern. Unser Ziel ist es, uns Jahr für Jahr zu verbessern – wenn aber ein Ausrutscher ins Land gelingt, nehmen wir den natürlich mit.“
Besonders im Fokus steht die Entwicklung der zweiten Männermannschaft sowie der Ü35-Mannschaft. Für die zweite Mannschaft gibt es hingegen klare Pläne: „Wir wollen sie stabilisieren und wettbewerbsfähiger machen. Ziel ist es, langfristig eine gute Rolle in der Kreisklasse zu spielen.“
Bei der Ü35 gibt es noch Entwicklungspotenzial: „Es gibt noch große Leistungsschwankungen. Wir wollen künftig die großen Vereine aus Sachsenhausen und Oranienburg regelmäßig ärgern können. Aber der Spaß bleibt der wichtigste Faktor.“
Nachwuchsarbeit: Die nächste Generation vorbereiten
Obwohl Köhler nicht direkt für den Jugendbereich zuständig ist, hat er diesen immer im Blick. Besonders wichtig ist es, die B- und A-Jugend so zu fördern, dass sie den Sprung in den Herrenbereich schaffen.
„Früher war es selbstverständlich, dass die Jugendspieler später in den Herrenmannschaften spielten. Das ist in den letzten Jahren ein bisschen verloren gegangen. Wir müssen wieder dahin kommen, unsere eigenen Spieler auszubilden, die Bock darauf haben, für Bergfelde zu spielen.“
Identität und Tradition: Das Herzstück des Vereins
Ein zentraler Punkt für Felix Köhler ist die Bewahrung der Vereinsidentität.
„Wir müssen wissen, wo wir herkommen und was Bergfelde ausmacht. Auch wenn wir mit der neuen Anlage und vielen neuen Mitgliedern wachsen, bleibt unser Grundsatz bestehen: Wir sind ein Verein ohne bezahlte Spieler, in dem das Familiäre zählt. Das erkläre ich auch immer wieder neuen Spielern.“
Warum Bergfelde? Die besten Argumente für neue Spieler
Wer sich für den SV Grün-Weiß Bergfelde entscheidet, bekommt ein stabiles Umfeld mit familiärem Charakter.
„Wir bieten forderndes Training, ohne dass jemand unter Druck gesetzt wird. Unsere neue Anlage ist einzigartig in der Umgebung. Außerdem kümmern wir uns um alles: Bei der ersten Männer liegen die Trainingsklamotten bereit, nach dem Training werden sie gewaschen, an Spieltagen sieht es aus wie bei einer Profimannschaft. Das gibt es auf diesem Niveau kaum.“
Besondere Momente und unvergessliche Gespräche
Spektakuläre Verhandlungen? Kaum. Doch wenn Spieler mit Gehaltsvorstellungen kommen, hat Felix Köhler eine klare Antwort: „Dann zitiere ich gerne unseren früheren Trainer Knut Güldemeister (heute: Hagedorn): ‚Wir können dir in Bergfelde alles bieten – außer Geld.‘ Das sorgt meist für ein Schmunzeln – und oft für Verständnis.“
Ein besonders einprägsamer Moment war die Trennung von Trainer Burak Benli. „Es war eine schwierige Entscheidung, da wir auch persönlich eng verbunden waren. Aber wir konnten uns fair und mit Respekt in die Augen sehen. Solche ehrlichen Gespräche bleiben in Erinnerung und zeigen, was diesen Verein ausmacht.“
Ein Verein mit Herz und Seele
Felix Köhler lebt den SV Grün-Weiß Bergfelde. Seine Leidenschaft und sein Engagement prägen den Verein. „Ich bin stolz darauf, dass wir so sind, wie wir sind.“ Mit Leidenschaft und Engagement arbeitet Felix Köhler weiterhin daran, den SV Grün-Weiß Bergfelde sportlich und strukturell weiterzuentwickeln. Dabei stehen Realismus und Bodenständigkeit im Vordergrund.
„Es geht nicht nur um sportlichen Erfolg, sondern um das Vereinsgefühl. Bergfelde war schon immer ein Verein, in dem man sich aufgehoben fühlt. Das müssen wir bewahren, auch wenn sich vieles verändert.“
Und genau das ist es, was den SV Grün-Weiß Bergfelde ausmacht: Ein Verein, der nicht auf große Versprechungen setzt, sondern auf eine gewachsene Struktur, familiären Zusammenhalt und die Leidenschaft für den Fußball.
